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Kapitel 26: Das Brumm-Trauma und der Biewer-Zwerg

Kapitel 26

Das Brumm-Trauma und der Biewer-Zwerg

Gos d'Atura Gubacca und Biewer-Yorkshire Lotta liegen friedlich nebeneinander Ein ungleiches Team: Der lockige 22-Kilo-Bär und die 5-Kilo-Flauschwolke.

Während Gubacca und ich uns nach dem Mantrailing-Kurs noch ein wenig im Glanz des Erfolgs sonnten, tickte im Hintergrund unaufhörlich eine Uhr. In meinem Kopf nannte ich sie die „Pubertätsuhr des Grauens“. In Internetforen stolperte ich immer häufiger über Berichte von Rüden – oft anspruchsvolle Hütehundrassen –, die im Alter von 18 bis 24 Monaten abgegeben werden mussten, weil die Halter nicht mehr zurechtkamen. „Wenn du das jetzt nicht in den Griff bekommst...!“, echote es in meinem Hinterkopf. Ich fragte mich in schlaflosen Nächten: Heute springt er dich nur mit voller Kraft an – aber was kommt morgen?

In dieser Zeit war Lottchen mal wieder bei uns zu Gast. Wenn der lockige 22-Kilo-Bär auf die weiße 5-Kilo-Flauschwolke traf, ergab das Bilder für die Götter. Besonders skurril wurde es, wenn die beiden klären mussten, wer von ihnen eigentlich die Führung übernehmen sollte. Das Ergebnis war meist ein Patt: Beide warfen sich gleichzeitig auf den Rücken, streckten alle viere von sich und schielten zum anderen rüber, nach dem Motto: „Mach du mal! Ich liege hier gerade so gut.“

Gubacca war mit Lottchen rührend vorsichtig. Ganz anders als Chiru, der sie früher im Übermut gerne mal über den Haufen gerannt hatte, schien Gubacca eine eingebaute Feinmechanik für kleine Hunde zu besitzen. Alles war friedlich – bis zum Abend.

Lottchen war es gewohnt, bei meinen Eltern mit im Bett zu schlafen, also durfte sie das auch bei mir. Gubacca schlief zwar mit im Zimmer, aber das Bett war für ihn eine Zone, die er nur mit ausdrücklicher Erlaubnis betreten durfte. Bisher hatte er das klaglos akzeptiert. Doch an diesem Abend fand er die Ungerechtigkeit der Welt offenbar unerträglich. Er wollte auch.

Er saß vor der Bettkante und versuchte, mich mit seinem typischen Gos-Blick zu hypnotisieren. Ich ignorierte ihn standhaft. Und dann passierte es. Ein leises, tiefes Grollen kam aus seiner Brust.

Ich zuckte zusammen. Mein Herzschlag beschleunigte sich von Null auf Hundert in einer Sekunde. Da war es! Das, was ich immer befürchtet hatte. Es kippte! In meinem Kopf explodierte das Kopfkino: Er wird aggressiv. Er droht mir. Meine klare Welt fällt gerade auseinander.

„Raus!“, zischte ich, sprang auf und beförderte ihn aus dem Zimmer. Ich lag danach hellwach im Bett, während Lottchen selig in meinem Kissen schnarchte. Nachdem der erste Schreck verflogen war, kamen mir Zweifel. War das wirklich ein aggressives Knurren gewesen? Ich wollte es wissen. Ich ließ ihn wieder rein.

Das gleiche Spiel: Er saß da. Er starrte. Er grollte wieder tief aus der Kehle – ein Geräusch, das einem durch Mark und Bein geht. Ich hielt den Atem an, bereit für den Moment, in dem der „Zahn-Terrorist“ zuschlägt. Ich hielt es aus. Und dann... kippte das tiefe Grollen in ein helles, fast empörtes Wuff! um, das förmlich schrie: „Ich auch! Bitte, ich auch!“

Es war kein Knurren. Es war ein Brummen. Er wusste genau, dass er mit Bellen bei mir nicht weit kam, also hatte er versucht, mich „katalanisch“ zu überreden. Er hatte nicht gedroht, er hatte diskutiert.

Die Nacht endete mit zwei Hunden im Bett. Aber mir wurde schlagartig klar, dass ich Gubacca immer noch viel zu wenig „lesen“ konnte. Meine Angst war ein Filter, der aus einer Bitte eine Bedrohung machte.

Am nächsten Tag erzählte ich die Geschichte seiner Züchterin Bea. Sie lachte so herzhaft darüber, dass ich mich erst ein bisschen dumm und dann sehr erleichtert fühlte. „Bine“, sagte sie, „du musst unbedingt mal wieder vorbeikommen. Ich will mir selbst mal ein Bild von deinem Brumm-Bären machen.“ Ich packte die Koffer. Es war Zeit für eine Reise zurück zu den Wurzeln.

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