Nur noch ein Foto! – Wie viel Bine in einem ganz natürlichen Hundefoto steckt

September 24, 2026

Es gibt Sätze, die sollte man als Hund nicht wörtlich nehmen. „Gleich gibt es dein Futter.“ „Ich bin gleich fertig.“ Und ganz besonders: „Nur noch ein Foto.“ Ich kenne diesen Satz inzwischen seit fast zehn Jahren und kann mit einiger Sicherheit sagen: Es bleibt nie bei einem Foto. Dabei beginnt alles meistens harmlos. Bine nimmt die Kamera mit. Nur für alle Fälle. Dann kommt noch ein Objektiv dazu. Und ein zweites. Wasser. Leckerchen. Mein Spielzeug. Am Ende trägt sie eine Tasche durch die Gegend, mit der andere Menschen vermutlich ein verlängertes Wochenende bestreiten könnten. Ich habe es einfacher. Ich muss nur mitgehen.
Es gibt Sätze, die sollte man als Hund nicht wörtlich nehmen. „Gleich gibt es dein Futter.“ „Ich bin gleich fertig.“ Und ganz besonders: „Nur noch ein Foto.“ Ich kenne diesen Satz inzwischen seit fast zehn Jahren und kann mit einiger Sicherheit sagen: Es bleibt nie bei einem Foto. Dabei beginnt alles meistens harmlos. Bine nimmt die Kamera mit. Nur für alle Fälle. Dann kommt noch ein Objektiv dazu. Und ein zweites. Wasser. Leckerchen. Mein Spielzeug. Am Ende trägt sie eine Tasche durch die Gegend, mit der andere Menschen vermutlich ein verlängertes Wochenende bestreiten könnten. Ich habe es einfacher. Ich muss nur mitgehen.
Was hinter einem ganz natürlichen Hundefoto wirklich passiert.

Es gibt Sätze, die sollte man als Hund nicht wörtlich nehmen. „Gleich gibt es dein Futter.“ „Ich bin gleich fertig.“ Und ganz besonders: „Nur noch ein Foto.“

Ich kenne diesen Satz inzwischen seit fast zehn Jahren und kann mit einiger Sicherheit sagen: Es bleibt nie bei einem Foto.

Dabei beginnt alles meistens harmlos. Bine nimmt die Kamera mit. Nur für alle Fälle. Dann kommt noch ein Objektiv dazu. Und ein zweites. Wasser. Leckerchen. Mein Spielzeug.

Am Ende trägt sie eine Tasche durch die Gegend, mit der andere Menschen vermutlich ein verlängertes Wochenende bestreiten könnten. Ich habe es einfacher. Ich muss nur mitgehen.

DER BLICK · REINE VERHANDLUNGSSACHE

Von der Kunst, konsequent woanders hinzusehen

Grundsätzlich bin ich bei Fotos ziemlich kooperativ. Ich stelle mich irgendwo hin, setze mich, lege mich hin und warte. Manchmal sogar auf Bänken, die sich später als Fehlplanung herausstellen. Aber dazu kommen wir noch.

Es gibt allerdings Tage, an denen ich keine Lust habe, in dieses schwarze Ding vor Bines Gesicht zu schauen. Dann schaue ich nach links. „Gubacca!“ Nach rechts. „Guck mal!“ Hinter sie. „Hier!“ Natürlich weiß ich, wo sie ist. Ich möchte nur gerade nicht hinsehen.

Und dann beginnt der Teil, der das Fotografieren für mich wirklich interessant macht. Bine pfeift, schnalzt und quietscht. Sie erzeugt Geräusche, die vermutlich nur deshalb keinen Namen haben, weil andere Menschen sie nicht freiwillig machen.

Ich habe in den vergangenen Jahren ein erstaunliches Repertoire kennengelernt. Manche Laute erinnern entfernt an Vögel, andere an defekte Haushaltsgeräte. Einige lassen sich biologisch überhaupt nicht zuordnen.

Irgendwann schaue ich dann meistens doch. Nicht unbedingt, weil ihr Plan aufgegangen ist. Manchmal möchte ich einfach wissen, ob mit Bine noch alles in Ordnung ist. Klick.

Und später sieht niemand auf dem Foto, dass ich vorher zwei Minuten lang mit bemerkenswerter Konsequenz überall hingesehen habe – nur nicht in die Kamera. Man sieht einen aufmerksamen Gos. Fotografie kann viel.

NATÜRLICHKEIT · SORGFÄLTIG DURCHKOMPONIERT

Natürlich. Aber bitte richtig.

Besonders gern möchte Bine sogenannte natürliche Bilder. Das klingt zunächst unkompliziert. Ich soll einfach Hund sein. Allerdings handelt es sich um eine ziemlich genau definierte Form von Natürlichkeit.

Ich darf laufen – aber möglichst in ihre Richtung. Ich darf spielen – aber bitte dort, wo das Licht stimmt. Ich darf mich bewegen – aber am besten genau in der Entfernung, auf die die Kamera gerade eingestellt ist. Und hecheln sollte ich möglichst auch nicht.

Das wird besonders interessant bei Bewegungsbildern. Bine wirft mein Spielzeug, ich renne los, hole es und komme zurück. Noch einmal. Und noch einmal. Und irgendwann noch einmal, weil beim letzten Versuch irgendeine Pfote angeblich ungünstig stand.

Gefühlt beim 99. Durchgang soll ich dann bitte aussehen, als sei ich gerade frisch, ausgeschlafen und voller Tatendrang zufällig durchs Bild gelaufen. Vor allem bitte ohne zu hecheln. Menschen haben eine bemerkenswerte Vorstellung davon, wie körperliche Anstrengung aussehen sollte: Anstrengung darf sein. Man soll sie nur bitte nicht sehen.

Bewegungsfoto · Spielzeug werfen · Kameraposition erreichen · Hund wiederfinden · Bitte nicht hecheln

Für mich ist das Prinzip überschaubar: Ich renne. Für Bine ist es komplizierter. Sie muss das Spielzeug werfen, anschließend möglichst schnell ihre Kameraposition erreichen, mich wiederfinden, scharfstellen und im richtigen Moment auf den Auslöser drücken.

Ich renne also dem Spielzeug hinterher. Bine rennt der Kameraposition hinterher. Von uns beiden sieht später allerdings nur einer sportlich aus.

Dabei habe ich Seiten an ihr kennengelernt, die im normalen Alltag eher selten zum Vorschein kommen. Zum Beispiel Geschwindigkeit. Bemerkenswert, wie schnell Bine plötzlich werden kann, wenn irgendwo ein Spielzeug liegt und die Kamera drei Meter weiter wartet.

Auch ihre Einstellung zu Untergründen verändert sich. Nasses Gras? Egal. Matsch? Kein Problem. Sand? Wird später aus der Hose geschüttelt. Wenn der Kamerawinkel stimmt, kann sich Bine mit erstaunlicher Entschlossenheit auf Böden werfen, die sie unter anderen Umständen nicht einmal mit der Schuhsohle freiwillig berühren würde.

Bine kann sich durchaus in den Dreck werfen. Sie braucht dafür nur eine Kamera in der Hand.
STATIK · NOCH MIT LUFT NACH OBEN

Nicht jede Bank ist eine Fotobank

Mit der Zeit entwickelt man natürlich ein Auge für schöne Fotoplätze. Bine ist darin ziemlich gut. Licht, Farben, Hintergrund – alles wird sofort geprüft.

Bei Statik besteht noch Luft nach oben. So entdeckte sie einmal eine Bank. Die Bank war hübsch. Die Umgebung war hübsch. Ich war hübsch. Eigentlich perfekte Voraussetzungen. Nur breit genug war die Bank nicht.

Das stellte Bine fest, als ich bereits darauf lag und langsam seitlich herunterrutschte. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich mich dort ausschließlich hingelegt habe, weil sie es wollte.

Ich hatte bereits beim Hinsehen gewisse Zweifel. Aber manchmal muss man seine Menschen ihre Erfahrungen selbst machen lassen. Seitdem betrachtet Bine Bänke etwas genauer. Ich auch.

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Wenn plötzlich die Heide blüht

Normalerweise bevorzugt meine Bine Spazierwege, auf denen nicht halb Nordrhein-Westfalen gleichzeitig mit Hund unterwegs ist. Wenn irgendwo besonders viel los ist, gehen wir eben woanders. Zu voll, zu unruhig – muss ja nicht sein.

Dann blüht die Heide.

Plötzlich stehen wir morgens zwischen gefühlt 999 Hunden. Dieselbe Bine, die an anderen Tagen bereits bei auffällig vielen Autos auf einem Parkplatz misstrauisch wird, marschiert freiwillig mitten hinein. Denn blühende Heide ist kein überlaufener Hotspot. Blühende Heide ist eine Location.

Ich habe daraus gelernt: Bines persönliche Grenzen sind keineswegs unverrückbar.

Kleine Erkenntnis über Bine

Sie sind violett.

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Für mich war es ein Loch.

Neulich habe ich gebuddelt. Das kommt vor. Aus meiner Sicht war die Sache zunächst wenig spektakulär.

Für Bine war es plötzlich Licht, Bewegung, fliegende Erde im Fell und: „Oh Gubacca! Bleib genau so!“

Bleib genau so? Ich buddelte. Sie fotografierte. Ich buddelte weiter. Sie war begeistert.

Das muss man sich einmal vorstellen: Ich mache ein Loch in die Erde und Bine reagiert, als hätte ich gerade ein Kunstwerk geschaffen.

Als die fotografische Dokumentation abgeschlossen war, wurde mein Werk selbstverständlich wieder beseitigt. Es hätte schließlich jemand hineintreten und sich verletzen können.

Auch das ist typisch Mensch: Erst freut man sich über ein Loch, dann fotografiert man es ausgiebig und danach macht man es wieder zu. Immerhin existieren die Bilder.

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Ich habe inzwischen verstanden, wie das läuft

Nach all den Jahren kenne ich das Geschäft natürlich. Ich weiß, was Bine mag: erhöhte Positionen, schöne Hintergründe, Baumstämme, Steine und Mauern.

Ich habe inzwischen ein eigenes Auge für mögliche Fotoplätze entwickelt. Das findet Bine allerdings nur bedingt erfreulich.

Einmal entdeckte ich zum Beispiel den Steinrand einer Talsperre. Erhöhte Position. Freier Blick. Schöner Hintergrund. Aus meiner Sicht eindeutig ein Fall für ein Foto. Also wollte ich drauf.

Bine sah das etwas anders. Sie bekam nämlich beinahe einen Herzinfarkt. Offenbar hatte ich bei meiner Motivwahl ein unwichtiges Detail übersehen: Hinter dem Steinrand ging es ziemlich weit nach unten.

Ich hatte nur die Mauer gesehen. Bine sah den Abgrund dahinter.

Seitdem weiß ich: Ein guter Fotoplatz ist nicht automatisch ein guter Fotoplatz, nur weil er auf dem Bild gut aussehen würde. Das hätte sie allerdings auch früher erwähnen können. Jahrelang hat sie mir schließlich beigebracht, dass erhöhte Positionen ausgesprochen erwünscht sind.

Heute muss sie nicht mehr nur überlegen, wo sie mich gern fotografieren möchte. Sie muss gleichzeitig verhindern, dass ich selbst Vorschläge mache.

Ich finde, das spricht eindeutig für die Qualität meines Trainings. Vielleicht war es sogar ein bisschen zu erfolgreich.

Irgendwann sind wir wieder zu Hause und Bine lädt die Bilder auf den Computer. Dann beginnt die nächste Phase.

„Unscharf.“ Weiter. „Da hechelt er.“ Weiter. „Schade, Pfote abgeschnitten.“ Weiter. „Warum guckt er denn da schon wieder weg?“

Das könnte ich beantworten. Ich lasse es.

Und dann kommt dieses eine Foto. Das Licht stimmt. Das Fell fliegt. Ich schaue genau richtig. Vielleicht blüht im Hintergrund die Heide, vielleicht fliegt gerade Erde durch die Luft. Alles sieht völlig mühelos aus – als wären wir einfach spazieren gewesen und zufällig hätte jemand im perfekten Moment auf den Auslöser gedrückt.

Bine betrachtet das Bild eine Weile. Dann kommt zuverlässig: „Oh Gubacca, guck mal, wie schön!“

Ich schaue nicht hin. Ich war schließlich dabei.

Am nächsten Tag nimmt sie die Kamera wieder mit. Und ich gehe trotzdem mit.

Man muss seine Menschen schließlich beschäftigen.

Gubacca erklärt weiter
Sitzenbleiber. Aus Überzeugung.

Bei Fotos kann Gubacca hervorragend stillhalten. Ob er geistig noch anwesend ist, steht auf einem anderen Blatt.

Reaktionstempo – Während Bine noch überlegt, bin ich längst da

Gubacca denkt schnell. Bine auch. Nur offenbar nicht immer zur selben Zeit.

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