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Nicht immer mittendrin

Mai 29, 2026

Langsam komme ich mir vor wie in einer Spielshow. Immer wenn ich denke, ich hätte mich gerade halbwegs eingegroovt, kommt der Moderator um die Ecke, hält ein Kärtchen hoch und sagt: „Nächstes Level.“ Der nächsthöhere Schwierigkeitsgrad für die Kandidatin, bitte. So kamen wir auch vom letzten Kontrolltermin zurück. Mit Socken-Verbot. Die Pfote soll an die Luft. Kein Stoff, nichts, was reibt, nichts, was feucht wird. Wenn überhaupt Schutz, dann nur noch die Plastikhaube. Also diese Haube, die man schon beim bloßen Anblick unpraktisch findet.

Langsam komme ich mir vor wie in einer Spielshow. mmer wenn ich denke, ich hätte mich gerade halbwegs auf die neue Situation eingestellt, kommt der Moderator um die Ecke, hält ein Kärtchen hoch und sagt: „Nächstes Level“. Der nächsthöhere Schwierigkeitsgrad für die Kandidatin, bitte.

So kamen wir auch vom letzten Kontrolltermin zurück: mit Socken-Verbot. Die Pfote soll an die Luft, nichts soll reiben, nichts feucht werden. Wenn überhaupt Schutz nötig ist, dann nur noch die Plastikhaube. Ich gebe zu: Mir war absolut nicht wohl dabei. Nicht, weil Gubacca sich dagegen gewehrt hätte. Insgeheim hielt ich diese Haube für die größere Gefahrenquelle. Vor allem, wenn ich an unsere offene Bauweise mit den vielen Treppen denke. Ich hatte sofort Bilder im Kopf, wie er damit im Haus unterwegs ist. An Türen hängen bleibt. Die Treppe falsch einschätzt. Oder irgendwo steht und nicht versteht, warum die Welt plötzlich so einen Rand hat.

Aber Gubacca macht es besser, als ich gedacht hätte. Er geht nicht an die Pfote. Er knabbert nicht. Er leckt nicht. Er nimmt die Haube hin, wenn es sein muss. Nicht begeistert, aber gefasst. So, wie Gubacca unangenehme Dinge eben oft hinnimmt, wenn er entschieden hat, dass sich Widerstand gerade nicht lohnt.

Gubaccas innere Hitliste

Was ihm aber tatsächlich zu schaffen macht, ist etwas ganz anderes. Es ist die Tatsache, dass er im Moment nicht mehr so frei entscheiden kann, wo er liegen möchte.

Denn ohne Socken muss ich ihn im Blick behalten. Nicht dauernd mit Argusaugen, aber eben so, dass ich mitbekomme, wenn die Nase doch in Richtung Pfote wandert. Also ist er gerade viel dort, wo ich bin. Im selben Raum. In der Nähe. Sichtbar. Und genau da merke ich, wie selbstverständlich seine kleinen Freiheiten sonst sind.

Dass Gubacca sich auch gern zurücknimmt, weiß ich. Er muss nicht immer vorne stehen. Er kann sehr gut irgendwo liegen und sein Ding machen. Mit einem Ohr bei mir, mit dem anderen vermutlich im Hausflur, falls dort etwas Wichtiges passiert. Neu ist für mich nur, wie wichtig ihm diese Möglichkeit wirklich ist.

Würde Gubacca eine persönliche Hitliste führen, läge „selbst entscheiden, wo ich gerade sein möchte“ ziemlich weit oben. Wahrscheinlich sogar noch vor der abendlichen Leberwurstschnitte. Und die Leberwurstschnitte ist bei Gubacca keine Randnotiz. Wer davor landet, muss wirklich wichtig sein.

Es ist nicht so, dass Gubacca keine Nähe mag. Er legt sich gern zu mir, manchmal auch so, dass ich beim Aufstehen erst meine Beine sortieren muss. Aber er entscheidet das sonst eben selbst. Wenn er beschließt, dass jetzt genug Nähe war, steht er auf und geht in den Flur. Genau dieser Unterschied fällt ihm jetzt offensichtlich schwer.

Gut gemeint ist nicht immer gut passend

Für mich wäre die Sache eigentlich klar gewesen: Am liebsten ohne Haube und unter Kontrolle. Ich sehe, was er macht. Ich kann eingreifen, wenn er doch an die Pfote möchte. Und Gubacca muss nicht dauernd mit diesem Ding um den Kopf durchs Haus laufen. Aus meiner Sicht ist das die bessere Lösung.

Nur ist meine bessere Lösung nicht automatisch Gubaccas erste Wahl. Für ihn ist es offenbar wichtiger, zwischendurch an einem seiner Lieblingsplätze zu liegen. Allein. In Ruhe. Ohne mich direkt daneben. Dann eben mit Haube.

Und genau das ist einer dieser Punkte im Zusammenleben mit Hund, bei denen man sich selbst kurz sortieren muss. Wir entscheiden oft nach dem, was sich für uns richtig anfühlt. Aus Sorge. Aus Fürsorge. Aus dem Wunsch heraus, es dem Hund leichter zu machen. Nur trifft das nicht immer das, was der Hund tatsächlich braucht.

Das ist mir nicht zum ersten Mal aufgefallen. Chiru, mein voriger Hund, ging damals mit ins Büro, weil ich ihn vormittags nicht allein lassen wollte. Für mich war das die liebevollere Lösung. Er war nicht allein, ich hatte ihn bei mir, alles schien gut gemeint. Für ihn war es aber nicht besser. Es war zu unruhig. Zu viel Betrieb. Zu wenig echte Entspannung. Die bessere Entscheidung war am Ende, ihn zu Hause zu lassen, wo er ungestört dösen konnte. Das musste ich auch erst lernen.

Gut gemeint ist eben nicht automatisch gut passend. Und genau daran erinnert mich Gubacca gerade wieder. Also darf er zwischendurch auch mal allein an einem seiner Lieblingsplätze liegen. Dann eben mit Haube. Nicht stundenlang. Nicht völlig aus dem Blick. Aber so, dass er für eine Weile wieder selbst entscheiden kann, wo er sein möchte. Das ist gerade unser Kompromiss. Nicht perfekt. Aber machbar.

Ich behalte die Pfote im Blick. Und Gubacca bekommt ein Stück seiner heißgeliebten Eigenständigkeit zurück.

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