Dass unser hundkatzemaus-Beitrag irgendwann wiederholt werden könnte, wusste ich theoretisch. Praktisch gerechnet habe ich damit aber nicht und schon gar nicht damit, dass ich es ohne Hinweis komplett verpassen würde.
Ich schaltete um, erwischte die letzten Minuten und hatte sofort wieder ein Lächeln im Gesicht: Ein Jahr später und trotzdem hat es sich wieder ein bisschen besonders angefühlt.
Seit der Wiederholung werde ich wieder öfter auf den Beitrag angesprochen,
bekomme liebe Nachrichten und fast immer die gleiche Frage:
„Wie seid ihr eigentlich ins Fernsehen gekommen?“
Ja… wie kam es dazu?
Der Anfang – Regen, Fell und ein DIY
Es fing – wie so vieles bei uns – ganz unspektakulär an: mit Regen. Gubacca kann stundenlang draußen unterwegs sein, ohne dass sein Fell wirklich nass wird. Ich dagegen sehe nach zwei Runden gern mal aus wie ein begossener Pudel.
Der Nachteil ist jedoch bei Gubaccas „Superheldenfell“: Es dauert ewig, bis er wieder trocken ist. Und ich gebe nur ungern zu, dass ein leichtes „nasser-Hund-Aroma“ dann treu mit durch die Räume zieht.
Also dachte ich mir: Das muss doch besser gehen. Und weil ich ungerne einfach in ein Geschäft gehe und etwas kaufe, saß ich irgendwann an der Nähmaschine und nähte Gubacca einen Bademantel. Der erste Versuch war überraschend gut gelungen und weil ich Dinge, die funktionieren, gerne teile, wanderte die Anleitung auf meinen Blog.
Was dann passierte, hätte ich nie erwartet: Die Anleitung wurde zu einem meiner meistgeklickten Beiträge überhaupt. Über 79.000 Aufrufe, viele liebe Kommentare und immer mehr Fotos von Hunden im selbstgenähten Frottee-Outfit.
Aber dass ausgerechnet dieser Bademantel einmal der Auslöser für eine TV-Anfrage sein würde… Nein. Wirklich nicht. Da wäre ich im Leben nicht drauf gekommen.
Ein aufgeräumtes Spamfach und der Moment, in dem mir der Atem stockte
Es zog einige Zeit ins Land… und mein Bademantel-DIY geriet bei mir völlig in Vergessenheit. Bis ich eines Abends auf die überaus sinnvolle Idee kam, endlich mal den Spam-Ordner in meinem Postfach aufzuräumen. Zahlreiche Nachrichten hatten sich dort angesammelt, und es juckte mich in den Fingern, sie einfach alle in den Papierkorb zu werfen.
Zum Glück siegte meine Neugier – die ähnlich ausgeprägt ist wie die von Else Kling in der Lindenstraße und so begann ich, mich durch die lange Liste an Mails zu scrollen.
Plötzlich blieb ich hängen. Konnte das tatsächlich sein? Ich traute meinen Augen kaum: In meinem Postfach schlummerte eine mehrere Tage alte Anfrage einer TV-Produktionsfirma. Man wolle mit mir einen Beitrag drehen.
Der Redaktion war meine Anleitung für den Hundebademantel positiv aufgefallen. Ich bin sicher, ich wurde in diesem Moment kreidebleich. Mein erster Gedanke war nur: „Hoffentlich ist es jetzt nicht zu spät!“
In der Mail stand etwas von „zeitnah melden“, und es waren schon mehrere Tage vergangen. Mittlerweile war es 22 Uhr, und ich würde an diesem Abend nicht mehr erfahren, ob die Anfrage noch galt. Ein kleiner Teil von mir war fast erleichtert.
Denn nach der ersten Freude schlich sich ganz leise die Frage ein: „Kann ich das überhaupt?“
An der Nähmaschine war ich nicht gerade eine Meisterin. Gubacca neigt in fremden Situationen dazu, häufiger zu bellen. Und ich selbst werde schnell rot im Gesicht – wahrscheinlich würde ich während des Drehs aussehen wie eine überreife Tomate.
Bedenken über Bedenken. Zum Glück blieb mir eine Nacht, um darüber zu schlafen… wie man so schön sagt.
Am nächsten Morgen wachte ich mit einem leicht erhöhten Puls auf. Die Mail ging mir nicht aus dem Kopf – irgendwo zwischen „Oh wow, wie aufregend!“ und „Oh je, was mache ich da eigentlich?!“. Aber irgendwann war klar: Wenn ich es nicht wenigstens versuche, werde ich mich später schwarz ärgern.
Also atmete ich tief durch und schrieb der Produktionsfirma zurück.
Kurze Zeit später kam die Antwort der Produktionsfirma – freundlich, interessiert und eindeutig: Sie wollten wirklich mit mir drehen.
Wir telefonierten, klärten ein paar Eckpunkte, und ich merkte, wie in mir eine Mischung aus Vorfreude und leichter Panik zu brodeln begann. Einerseits war ich stolz, dass meine Anleitung so gut angekommen war. Andererseits gingen mir pausenlos die gleichen Gedanken durch den Kopf:
„Was, wenn Gubacca bellt?
Was, wenn ich an der Nähmaschine scheitere?
Was, wenn ich rot werde wie eine Tomate im Scheinwerferlicht?“
Trotz all dieser Bedenken spürte ich aber auch: Da kommt etwas Besonderes auf uns zu.
Und so sagte ich schließlich zu – mit einem Kloß im Hals, einem Schmetterlingsschwarm im Bauch und der stillen Hoffnung, dass Gubacca und ich als Team funktionieren würden. Im Nachhinein betrachtet war es eine unserer besten Entscheidungen.
Die Gesichter meiner Familie waren unbezahlbar, als ich stolz verkündete:
„Ich bin mit meinem Hundebademantel-DIY ins Fernsehen eingeladen worden!“
Wenn irgendjemand bei uns mit einem Fernsehauftritt von Gubacca und mir gerechnet hätte,
dann eher als Dauergast in einer Erziehungs-Sendung von Martin Rütter.
Dass wir wegen eines selbstgenähten Hundebademantels ins Fernsehen eingeladen wurden,
war für alle Beteiligten eine ziemliche Überraschung.
Lockdown, Materialsuche & Modenschau
Sich während eines Lockdowns auf einen Fernsehbeitrag vorzubereiten, ist ein kleines Abenteuer für sich. Die Corona-Pandemie war auf ihrem Höhepunkt und alle Geschäfte waren geschlossen. Natürlich wollte ich nicht unvorbereitet „live“ vor der Kamera an der Nähmaschine sitzen. Also war klar: Ich musste jeden Schritt vorher noch einmal in Ruhe zu Hause durchgehen und einen Probemantel nähen.
Das passende Material zu bekommen, war allerdings ein echtes Unterfangen. Alles musste online bestellt werden, und dank der zahlreichen „Masken-Näher“ war vieles schlichtweg ausverkauft. Trotzdem gelang es mir irgendwie, alles zusammenzusammeln und einige Zeit später war Gubacca stolzer Besitzer einer ganzen Bademantel-Collection.
Dass unser Handtuchbestand dabei deutlich geschrumpft war und das Lieblingsbadetuch meiner „besseren Hälfte“ spurlos verschwand, war ein Opfer, das ich bereitwillig in Kauf nahm. Hauptsache, ich fühlte mich gut vorbereitet – das ist schließlich schon die halbe Miete.
Blieb nur noch die Frage, was ich anziehen sollte. Einfach in die Stadt zu fahren, war ja keine Option. Online zu bestellen auch nicht – da trifft bei mir meist „passt nicht“ auf „will ich nicht behalten“. Also musste ich im eigenen Kleiderschrank fündig werden.
Mein Ehegatte übernahm kurzerhand die Rolle des Modeexperten und fühlte sich bei der Bewertung meiner Outfits schon fast wie Guido Maria Kretschmer bei „Shopping Queen“. Natürlich entschied sich Mr. Guido alias Detlef für ein schickes Ensemble, das ich vielleicht zum Stadtbummel anziehen würde – aber garantiert nicht auf einem Hundespaziergang durch die Felder.
Ich favorisierte eher Jeans und Hoodie. Meine Einwände zur Zweckmäßigkeit wurden jedoch souverän beiseite gewischt. Schließlich, so sein Argument, würde ich ja nicht mit Herrn Rütter einen Erziehungsspaziergang machen, sondern gemütlich an einer Nähmaschine sitzen.
So ganz sollte er damit später allerdings nicht recht behalten… aber das ist eine andere Szene.
Tag X – Nervosität, Kofferraum-Tetris & ein sehr voller Kopf
Langsam, aber sicher rückte der vereinbarte Drehtag näher, und ich begann ernsthaft, meinen eigenen Mut zu verfluchen. Warum hatte ich diese Mail nicht einfach dort gelassen, wo sie lag – gemütlich im Spam-Ordner? Dann müsste ich jetzt nicht darüber nachdenken, ob ich mich womöglich bis auf die Knochen blamiere.
Zum Glück sollte ich den Beitrag nicht allein drehen, sondern gemeinsam mit Franziska, die schon mehrfach für „hundkatzemaus“ vor der Kamera gestanden hatte. Das beruhigte mich – zumindest ein bisschen.
Der kleine Haken an der Sache: Franziska brachte ihren großen Rüden mit. Und dieser Rüde sollte ebenfalls im Beitrag zu sehen sein.
Ob das gut gehen würde? Mein Kopfkino drehte zu diesem Zeitpunkt jedenfalls eine eigene Miniserie, deren Inhalt den Rahmen hier sprengen würde.
Und dann war er da: Tag X. Der Tag, vor dem ich riesiges Muffensausen hatte und auf den ich mich gleichzeitig freute.
In Stresssituationen hilft es mir ungemein, für absolut jeden denkbaren Notfall vorbereitet zu sein. Also fuhr ich mit einem Kofferraum vor, der mehr nach „Umzug“ als nach „Drehtag“ aussah:
- eine zweite Nähmaschine (man weiß ja nie)
- genug Nähmaterial für dutzende Bademäntel
- Gubaccas Hundebox
- Futter, Kamm, Bürste – für den gepflegten TV-Auftritt
- und eine umfangreiche Sammlung an Kosmetik für mich (die ich später übrigens komplett vergessen habe)
Damit war ich zumindest organisatorisch gerüstet. Emotional… reden wir nicht drüber.
Ankommen am Set – erste Szenen, erste Stolperfallen
Vor Ort wurde ich von einem unglaublich netten Drehteam empfangen. Die Atmosphäre war so herzlich und locker, dass meine Nervosität schon nach wenigen Minuten spürbar sank. Ich hätte niemals gedacht, dass sich ein Team, das man noch nie gesehen hat, so vertraut anfühlen kann.
Gedreht werden sollte zuerst draußen – eine kurze Vorstellung von Gubacca und mir. Soviel zu Detlefs „Du sitzt doch nur an der Nähmaschine“.
„Und damit das Ganze authentisch ist, filmen wir gleich, wie du mit Gubacca entspannt durch die Wiesen läufst…“, setzte die Producerin noch oben drauf.
Oha. Jeder, der einen Gos hat, weiß: „fremde Situation“ + „entspannter Gos“ = eine eher mutige Wunschvorstellung.
Also kam ich auf die glorreiche Idee, Gubacca vorher ein bisschen mit der kleinen Hündin aus dem Team über die Wiese flitzen zu lassen – damit die Anspannung raus ist. Theorie: 1, Praxis: 0.
Nach mehreren Flitzerunden fand Gubacca nämlich alles interessanter als mich: die Hündin, die Schafwiese, den Horizont. Dreharbeiten? Welche Dreharbeiten?
Meine sorgfältig ausgewählte „Nähmaschine-ist-doch-drinnen“-Gardrobe machte es nicht besser. Ich stand dort in feinen Lederstiefelchen mit glatter Sohle auf nasser Wiese und versuchte, eine gute Figur abzugeben, während der Spanier kräftig an der Leine zog. Ich sah mich innerlich schon sehr unelegant auf meinem Popöchen landen.
Zum Glück verstand der Kameramann es großartig, mir jede Hemmung zu nehmen. Was nicht sofort klappte, wurde einfach noch einmal gedreht – ganz ohne peinliche Momente. Und Stück für Stück merkte ich, wie mir das Ganze immer mehr Spaß machte.
Die erste unerwartete Frage und eine Antwort aus dem Nichts
Dann kam der Moment, der mich völlig unvorbereitet erwischte: „Was hast du denn schon alles genäht?“
In meinem Kopf herrschte kurz gähnende Leere. Ich saß ja nicht gerade täglich an der Nähmaschine. Alles, was ich in dem Moment hervorbrachte, war ein zögerliches: „Ähm… ein Hundekissen?“
Während ich innerlich fieberhaft überlegte, wie ich diese Antwort noch retten könnte, kam vom Kameramann plötzlich: „Danke, das ist im Kasten.“
Ich war völlig irritiert und erleichtert. Vielleicht war das das Geheimnis: nicht perfekt sein müssen.
Und je länger der Drehtag dauerte, desto mehr spürte ich, wie meine Scheu vor der Kamera schmolz. Ich war angekommen – mitten im Abenteuer Fernsehproduktion.
Wenn zwei Hunde und ein Drehplan aufeinandertreffen
Am späten Vormittag kam dann auch Franziska mit ihrem Hund dazu. Beim Anblick des großen Rüden wurde mir schon ein bisschen anders zumute. Und man sah sofort, dass zwischen den beiden Vierbeinern nicht gerade Liebe auf den ersten Blick herrschte. Zum Glück war das Drehteam perfekt vorbereitet: Beide Hunde bekamen draußen genügend Zeit, sich in Ruhe zu beschnuppern und zu sortieren. Danach war klar – im Haus würde das funktionieren.
Was mich an diesem Tag wirklich überrascht hat, war Gubacca selbst. Bei hundkatzemaus liegt der Fokus stark auf den Hunden – der Zuschauer soll nicht nur „Bine an der Nähmaschine“ sehen, sondern vor allem Gubacca kennenlernen. Das bedeutete allerdings, dass er den ganzen Tag präsent sein musste.
Ich hatte innerlich schon mit allem gerechnet: Bellen, Unruhe, Diskussionen über die Sinnhaftigkeit von Dreharbeiten. Aber stattdessen stand da ein Hund, der wirkte, als hätte er so etwas schon dutzendfach gemacht. Er ignorierte den großen Rüden souverän, ließ sich von allen Teammitgliedern anfassen und hatte nichts dagegen, wenn die Kamera direkt vor seiner Nase aufgebaut wurde.
Und während Gubacca zum kleinen Profi mutierte, wurde ich es irgendwie auch. Anfangs hatte ich Hemmungen frei zu sprechen, aber die lösten sich erstaunlich schnell. Die Atmosphäre war so locker, dass ich plötzlich Spaß daran fand, vor der Kamera zu stehen.
Spannend war auch, live mitzuerleben, wie eine Szene aufgebaut wird. Wie viele Wiederholungen nötig sind. Wie Franziska jedes Mal exakt das gleiche strahlende Lächeln zeigte und denselben Text sagte – vollkommen identisch. Ich dagegen glaubte anfangs, ich müsste jedes Mal improvisieren oder meine Antwort verbessern. Bis mir klar wurde: Die Kunst besteht darin, es wieder genauso zu machen wie beim ersten Mal.
Erst dadurch verstand ich, wie viele Kleinigkeiten bei Dreharbeiten beachtet werden müssen, damit in der später gekürzten Fassung nichts fehlt – etwas, das einem als Zuschauer völlig verborgen bleibt.
Mikrofon-Puschel & ein belauschtes Mittagspausen-Gespräch
Und dann war da noch die Geschichte mit den Mikrofonen. Wir bekamen kleine Puschel-Mikros angeklemmt – superleicht, fast unsichtbar. Was ich nicht wusste: Diese Dinger liefen auch in der Pause weiter.
Während der Mittagsrunde plauderte ich munter vor mich hin… und später stellte sich heraus, dass das komplette Team jedes Wort mithören konnte.
Zum Glück erzählte ich nichts Peinliches. Oder – sagen wir – nichts, was ich nicht hätte verantworten können.
Ein langer Tag und ein Moment, der bleibt
Als ich abends mit Gubacca im Auto saß, war ich erschöpft, aber überglücklich. Gubacca schlief in seiner Box tief und fest, als hätte er gerade einen ganzen Film gedreht und im Grunde hatte er das ja auch. Ich sah ihn im Rückspiegel und musste lächeln.
Dieser Hund, der mich im Alltag manchmal an meine Grenzen bringt, der mich schon Nerven, Schlaf und so ziemlich jede Form von Selbstbeherrschung gekostet hat, hatte diesen langen Drehtag mit einer Ruhe und Souveränität gemeistert, die ich ihm so nicht zugetraut hätte.
Und dann begriff ich, warum mich dieser Tag so bewegt hat: Wir waren ein Team gewesen. Nicht perfekt, nicht professionell, nicht aalglatt – aber wir beide. Mensch und Hund, die sich gegenseitig durch die Aufregung getragen haben.
Der Fernsehbeitrag selbst war später das i-Tüpfelchen. Das, was bleibt, ist etwas anderes: Die Erkenntnis, dass Gubacca an meiner Seite Dinge möglich macht, die ich mir alleine nie zugetraut hätte. Und dass Mut manchmal einfach nur bedeutet, eine Mail aus dem Spam-Ordner zu holen und „Ja“ zu sagen.
Es war ein Tag, den ich nie vergessen werde. Und einer, der mich daran erinnert hat, wie weit wir gekommen sind.
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