Mit dem Rad von Langholz nach Damp und mitten hinein in die 70er
Was macht man, wenn man sich nicht traut, auf den engen Straßen mit dem „großen“ Wagen zu fahren? Man fährt Rad! Wenn ich ehrlich bin, wollte ich diesen Blogbeitrag ja ganz anders einleiten. Eine gedankliche Variante war, wie schön es doch ist, mit dem Rad die Umgebung zu erkunden. Denkbar wäre auch gewesen zu schreiben, dass man sich mit ein bisschen Sport doch wunderbar das leckere Essen wieder abtrainiert.
Aber nein, der Grund für meine sportlichen Ambitionen war schlicht und ergreifend, dass ich mich beim Autofahren einfach nur sicher mit dem Mini-Taxi fühle und um den Wagen vom Mini-Rütter einen großen Bogen mache. Vor allem bei den engen kurvigen Straßen hier - natürlich auch noch ohne Mittelstreifen.
Der „Haussegen hing schief“ bei uns und Mini-Rütter streikte bei meinem geplanten Urlaubs-Programm nach Damp. Zum Glück gehört zum Ferienhaus auch ein Fahrrad und so konnte mein Ausflug dann doch noch stattfinden. „Wäre doch gelacht, wenn ich auf Herrn Mini-Rütter angewiesen wäre“, dachte ich noch vergnügt beim Losfahren.
Nach 2 Kilometern immer schön die Steigung hoch, kamen mir erste Bedenken, ob ich es tatsächlich bis Damp schaffen würde und hoffte nur, dass das Sprichwort „Hochmut kommt vor dem Fall“ mich nicht noch später ereilen würde.
Ab Klein-Waabs ging es dann zum Glück auch wieder den Berg runter und ich konnte endlich von der Landstraße abbiegen und Richtung Meer fahren. Ich war ja schon gefühlte 100-mal in Langholz, aber bisher hatte ich noch nie die Möglichkeit, mit dem Rad die Umgebung zu erkunden. Da habe ich echt etwas verpasst! Die Radrouten sind toll ausgeschildert und ich habe so viele schöne neue „Ecken“ auf dem Weg nach Damp entdeckt.
Das letzte Stück, ab dem Fischleger Strand, führte meine Route am Meer entlang und ich hatte einen schönen Blick auf die Ostsee. Ich war echt erstaunt, wie schnell ich die neun Kilometer geschafft hatte. Und im Nachhinein hätte ich den Beitrag vielleicht doch mit einem „Mit dem Rad ist es einfach schöner“ beginnen sollen.
Von Weitem war Damp nicht sehr einladend und mein erster Gedanke war: Eine in die Jahre gekommene Bausünde aus den 70er Jahren. Aber beim zweiten Blick musste ich diese Einschätzung auch wieder schnell revidieren.
Mein erster Gedanke von der „Bausünde aus den 70er Jahren“ war gar nicht so weit von der Entstehungszeit entfernt. Nur sollte das, was heute so unverkennbar nach Siebzigern aussieht, damals gerade nicht altmodisch wirken. Damp 2000 war als ziemlich große Portion Zukunft gedacht.
Ab 1970 entstand dort, wo vorher im Wesentlichen Felder, Wiesen und Ostseestrand lagen, für rund 200 Millionen Mark eine Ferienanlage mit 7.000 geplanten Betten, Yachthafen, Promenade und Geschäften. Dazu kamen etwa 300 sogenannte Nurdachhäuser.
Und die haben eine überraschende Geschichte: Die Planer hatten solche Ferienhäuser im Harz in der DDR gesehen. Das Modell gefiel ihnen so gut, dass die Häuser aus der DDR nach Damp geliefert wurden. Arbeiter aus der DDR kamen Anfang der 70er Jahre eigens an die Ostsee, um sie dort aufzubauen.
Besonders herrlich finde ich allerdings die Generalprobe für die neue Ferienwelt. Im Sommer 1973 wurden gut 2.000 Testurlauber aus Hamburg mit zahlreichen Bussen nach Damp gebracht. Für 20 Mark durften sie ein Wochenende in den damals hochmodernen Apartments probewohnen.
Nur kamen die Busse nahezu gleichzeitig an. Die Folge: totales Chaos. Plötzlich halfen Schwimmlehrer, Hafenmeister und Verwaltungsmitarbeiter gemeinsam an der Rezeption aus, um den Ansturm irgendwie zu bewältigen.
Wenig später, am 13. Juni 1973, wurde Damp 2000 offiziell eröffnet. Zur Feier traten unter anderem Katja Ebstein und Roberto Blanco auf. Die Zukunft konnte beginnen.
Der erste Strandabschnitt direkt am Hafen hat mir zum Beispiel sehr gut gefallen. Trotz des sehr bescheidenen Sommerwetters saßen doch vereinzelt Familien in ihren Strandkörben. Große und kleine Hunde rannten um die Wette ins Meer und auf mich machte das Ganze einen sehr entspannten und ruhigen Eindruck.
In dem kleinen Yachthafen liegen zahlreiche Boote und ich musste schmunzeln, wie unterschiedlich diese doch waren. Von dem kleinen Ruderboot bis zur Luxusyacht war die Bandbreite voll ausgeschöpft.
Hinter dem Hafen kommt der Hauptstrand von Damp, der mich nach den vielen Naturstränden sogar ein kleines bisschen an Holland erinnerte. Bei vier Kilometern feinem Sandstrand und einer kleinen Strandbar mit Livebühne kam doch gleich ein bisschen Sommerfeeling im dicken Fleece-Jäckchen auf.
Wer es sportlich mag, kann seine Fähigkeiten in der Surfschule testen. Dort kann man auch das „Stand-Up-Paddling“ lernen - der Wassersport hier an der Ostsee. Egal ob jung oder alt, dick oder dünn, Männlein oder Weiblein - alle stehen hier auf den Brettern.
Tipp: Solltet ihr einmal mit dem Auto nach Damp fahren, würde ich auf jeden Fall am Fischleger Strand den kostenlosen Parkplatz nutzen und von dort aus nach Damp gehen. Die Strecke ist einfach toll zum Laufen und man hat einen schönen Blick auf die Ostsee.
Sportlich ging es dann wieder zurück über den Fischleger Strand nach Langholz. Vermisst wurde ich von Gubacca nicht - so langsam nehme ich das persönlich ;-). Aber Zwerg-Riese ist einfach pflegeleicht und liebt es, auf der Terrasse vom Ferienhaus in der Sonne zu dösen.
Wobei er Herrn Mini-Rütter, als ich in Damp war, doch glatt entwischt ist. Detlef hatte wohl vergessen, die Terrassentür zu schließen und wunderte sich dann, was für ein großer Hund im Vorgarten liegt. Unser Grundstück ist nicht eingezäunt und mich hat es ehrlich gesagt sehr gewundert, dass Gubacca sich keinen Zentimeter vom Garten entfernt hat. Der perfekte Hofhund, sage ich nur.
Abends gab es dann noch meine Lieblingsrunde zum Strand und das Meer überraschte mich doch glatt mit einer ganz neuen Farbe: einem schillernden tiefen Blau - wunderschön! Gubacca entwickelt sich immer mehr zum „Outdoor-Model“ und das ganz ohne Knut!
Und die Bine fotografiert nur noch mit Handy... was war das früher bei mir verpönt. Aber es ist einfach herrlich bequem und das Handy habe ich (fast) immer dabei.
Und so ging wieder ein toller Urlaubstag zu Ende und sogar mit herrlichem Sonnenschein!
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