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Vom Durstlöscher zum Pipi-Spüldienst

Juli 30, 2026

Wer kennt das nicht? Man scrollt so durch die Nachrichten, liest im Vorbeirollen drei oder vier Wörter einer Überschrift, und das Gehirn setzt die fehlenden Puzzlesteine blitzschnell von ganz allein zusammen. Manchmal klappt das hervorragend und manchmal liegt man damit völlig daneben. Genauso erging es mir vor Kurzem bei einem flüchtigen Blick auf eine Yahoo-Teaserkachel. Bei mir war hängengeblieben: Hundebesitzer müssen künftig eine Wasserflasche mitführen. Mein erster Gedanke war sofort: „Wau, das nenne ich mal Tierschutz!“

Ich dachte sofort an eine neue Sommermaßnahme. In den Niederlanden wird schließlich ziemlich entschlossen reagiert, wenn ein Hund bei warmen Temperaturen im Auto zurückgelassen und dadurch gefährdet wird. Vielleicht hatte nun irgendeine Stadt beschlossen, dass zur sommerlichen Gassiausrüstung neben Leine und Kotbeutel auch eine Trinkflasche gehört. Fand ich vernünftig und verantwortungsbewusst. Fast schon vorbildlich.

Wer kennt das nicht? Man scrollt so durch die Nachrichten, liest im Vorbeirollen drei oder vier Wörter einer Überschrift, und das Gehirn setzt die fehlenden Puzzlesteine blitzschnell von ganz allein zusammen. Manchmal klappt das hervorragend und manchmal liegt man aber so was von daneben. Genauso erging es mir vor Kurzem bei einem flüchtigen Blick auf eine Yahoo-Teaserkachel. Bei mir war hängengeblieben: Hundebesitzer müssen künftig eine Wasserflasche mitführen. Mein erster Gedanke war: „Wau, das nenne ich mal Tierschutz!“

Ich dachte sofort an eine neue Sommermaßnahme. In den Niederlanden wird schließlich auch ziemlich entschlossen reagiert, wenn ein Hund bei warmen Temperaturen im Auto zurückgelassen und dadurch gefährdet wird. Vielleicht hatte nun irgendeine Stadt beschlossen, dass zur sommerlichen Gassiausrüstung neben Leine und Kotbeutel auch eine Trinkflasche gehört. Das fand ich doch mal sehr vernünftig und verantwortungsbewusst. Fast schon vorbildlich.

Also klickte ich auf den Artikel und stellte fest: Die Wasserflasche war gar nicht für den Hund gedacht. Mit ihrem Inhalt sollten Hundebesitzer hinter jedem angehobenen Beinchen den Urin ihres Hundes verdünnen und wegspülen. Es ging also nicht um Flüssigkeitszufuhr, sondern um Flüssigkeitsnachsorge. Aus dem fürsorglichen Hundehalter mit Trinkflasche wurde in meiner Vorstellung augenblicklich eine mobile Straßenreinigungskraft mit Leine. Vorne der Hund, hinten der Mensch mit der Spritzflasche. Gemeinsam unterwegs im Dienste der kommunalen Sauberkeit.

Wasserflaschen nehmen wir sehr ernst

Die Meldung bezog sich auf Chiasso im Tessin. Dort sollen Hundehalter ab Mitte August Wasser dabeihaben, um den Urin ihrer Hunde auf öffentlichen Flächen sofort zu verdünnen. Beim ersten Verstoß kann es zunächst eine Verwarnung geben, später werden 100 Schweizer Franken fällig. Gerade bei Hitze und Trockenheit hatten sich offenbar die Beschwerden über den Geruch im dicht bebauten Ortszentrum gehäuft. Bei historischen Fassaden, Hauseingängen und Sitzbänken kann ich den Gedanken sogar nachvollziehen. Hinter jedem markierten Grashalm mit der Spülflasche herzueilen, erschien mir allerdings sehr gewöhnungsbedürftig.

Abgesehen davon: Über das Mitführen einer Wasserflasche brauchen wir uns im Hause Gubacca sowieso keine Sorgen zu machen. Herr Mini-Rütter hat sich eigens eine „Männertasche“ zugelegt, damit auf Spaziergängen die große Trinkflasche für Gubacca mitgenommen werden kann. Und wenn ich von der großen Flasche spreche, meine ich auch die große. Wir besitzen zusätzlich eine kleine, handliche Flasche, die wunderbar in meine Tasche passt und für eine normale Runde vollkommen ausreicht.

Nach meiner unmaßgeblichen Einschätzung jedenfalls.

Für Herrn Mini-Rütter ist diese Flasche eher ein dekorativer Probeschluck. Etwas, das man vielleicht einem sehr kleinen Hund anbietet, wenn man ganz sicher weiß, dass spätestens hinter der nächsten Hausecke ein voll ausgestatteter Trinkbrunnen wartet. Für Gubacca kommt selbstverständlich nur die große Flasche infrage.

Die beiden haben rund um das Thema Trinken außerdem ihre ganz eigene Sprache entwickelt. Sobald Gubacca stehen bleibt und sich mit der Zunge über das Mäulchen schleckt, ist die Lage für Herrn Mini-Rütter eindeutig: Der Hund hat Durst. Es könnte natürlich auch bedeuten, dass Gubacca gerade einen interessanten Geruch wahrgenommen, einen Grashalm abgeleckt oder einfach nur seine Zunge im Maul neu sortiert hat. Aber solche kleinlichen Zweifel sind unangebracht, wenn ein Hund möglicherweise kurz vor dem Verdursten steht.

Bei gemeinsamen Spaziergängen dauert es deshalb meist keine hundert Meter, bis ich daran erinnert werde, dem armen Tier endlich etwas zu trinken anzubieten. Gubacca betrachtet das bereitgestellte Wasser dann gelegentlich mit jener höflichen Zurückhaltung, mit der man auf einer Feier ein Getränk entgegennimmt, das man gar nicht bestellt hat. Aber das spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass es ihm angeboten wurde.

Ganz falsch liegt Herr Mini-Rütter mit seiner Wasserflaschenliebe allerdings nicht. Auch ich habe auf größeren Runden immer Wasser für Gubacca dabei. Anfangs wurde ich dafür von meinen Freundinnen durchaus ein wenig belächelt. Spätestens als deren Hunde vor meiner Flasche standen und deutlich machten, dass sie meine übertriebene Fürsorge für eine ausgezeichnete Idee hielten, verlor sich das.

Drei Flaschen für Chiasso

Sollten wir irgendwann nach Chiasso reisen, wären wir trotz bester Ausrüstung ungenügend vorbereitet. Herr Mini-Rütter würde schließlich niemals zulassen, dass ich Gubaccas kostbare Trinkvorräte einfach auf die Straße schütte. Wir bräuchten also zwingend eine dritte Flasche. Eine für Gubaccas Durst, eine als Reserve für Gubacca und eine für den Pipi-Spüldienst.

Ich sehe uns schon durch Chiasso spazieren: Herr Mini-Rütter beobachtet besorgt Gubaccas Zunge, ich verfolge mit der Spülflasche jedes angehobene Beinchen und Gubacca läuft entspannt vorneweg. Vermutlich fragt er sich, weshalb sein Personal drei Wasserflaschen hinter ihm herträgt, obwohl er noch nicht einmal Durst hat.

Wer nachlesen möchte, wie ernst es Chiasso mit dem Pipi-Spüldienst meint: Hier geht es zum Bericht von SRF.

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