Ich kann meine Liste „Dinge, die ich nie wieder an einem Sonntagmorgen mache“ um einen weiteren Punkt ergänzen. Nach „Radfahren um 6 Uhr mit Morgenmuffel Gubacca“ steht dort jetzt an zweiter Stelle: „Nie wieder fahre ich zu dieser Jahreszeit in die Heide“.
Ich muss ja zugeben, es ist herrlich bequem, mit dem Handy zu fotografieren. Trotzdem ärgere ich mich oft darüber, dass ich kaum noch „richtig“ schöne Fotos von Gubacca habe. Bei vielen von euch muss ich neidvoll zugeben, dass die Handybilder toll sind. Bei mir sind es oft nur Schnappschüsse, die verwackelt sind oder bei denen die Perspektive nicht stimmt.
Von daher gelobte ich mir selbst Besserung und nahm mir vor, doch wieder öfter die Kamera mitzunehmen. Natürlich scheiterte ich mit diesem guten Vorsatz sofort am Freitag. Eigentlich wollte ich Mr. Baywatch und seine Hechtsprünge in den Kanal fotografieren und vergaß, den Akku der Kamera vorher zu laden. Logisch, nach wochenlangem Dornröschenschlaf war dieser leer.
Zum Glück ist es mir noch zu Hause aufgefallen und ich habe nicht umsonst die schwere Kameratasche geschleppt. Ich glaube, ich hätte sonst wie ein Rumpelstilzchen getobt.
Der frühe Vogel – und ungefähr alle anderen auch
Dafür kam ich dann Sonntag nach dem Frühstück auf die glorreiche Idee, Gubacca in der blühenden Heide zu fotografieren. Nur der frühe Vogel fängt den Wurm ... Mir war schon klar, dass ich früh in Haltern sein muss, um noch in Ruhe fotografieren zu können. Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass ich um 9.30 Uhr auf dem Wanderparkplatz nur mit sehr viel Glück noch eine kleine Lücke ergattern würde.
Kaum hatte ich mich mit meinem „weißen Riesen“ in den Parkplatz gequetscht, sah ich auch schon die Menschenmassen Richtung Heide laufen. Getoppt wurde das Ganze für mich noch damit, dass jeder Zweite einen oder mehrere Hunde an der Leine hatte. Ich muss zugeben, im ersten Moment liebäugelte ich damit, einfach wieder nach Hause zu fahren. Dann siegte aber der Wunsch, Gubacca in der blühenden Heide zu fotografieren, und ich marschierte „tapfer“ los.
Gubacca macht seinen Model-Job
Eine ruhige Ecke zum Fotografieren zu finden, war unmöglich. Kaum saß Gubacca an der richtigen Stelle und die Sonne blitzte zwischen den Wolken hervor, kam ein Hundebesitzer um die Ecke und musste ebenfalls dort ein Handyfoto machen. Ich glaube, sobald jemand mit einer größeren Kamera fotografiert, bekommt diese Stelle von vielen das Gütesiegel „perfekte Stelle“ verliehen.
Der Blick von Gubacca auf dem oberen Foto spricht, glaube ich, Bände. ABER er ist sitzen geblieben. Da ist er ein echter Profi. Kaum ist die Kamera auf ihn gerichtet, macht er seinen Model-Job. Das liegt jedoch nicht an seiner Eitelkeit, sondern daran, dass ich mich schon ab seiner Welpenzeit beim Fotografieren resolut durchgesetzt habe. Was ihn aber nicht daran hindert, wenn es zu lange dauert, ein „notleidendes Gesicht“ zu ziehen.
Würde ich diese Durchsetzungskraft öfter auf den Alltag übertragen können, bin ich mir sicher, würden auch die Rüdenbegegnungen viel besser laufen. Wobei ich Gubacca am Sonntag echt loben musste. Trotz der vielen Hunde, die ihn teilweise auch anbellten, lief er ruhig neben mir her. Ich war darüber echt ein bisschen überrascht. Vielleicht sind das ja die ersten Erfolge von unserem Training mit Gabi.
Am Samstag hatte sich Gubacca sogar gefreut, als Gabi ihren Kofferraum öffnete und ihre beiden Rüden ausstiegen. Bisher sah das bei ihm immer so aus: „Toll, Gabi ist da! Aber auf die beiden hätte ich verzichten können!“
Klar ist es nervig, wenn sich die Menschenmassen wie am 1. Advent in der Fußgängerzone durch die Heide schieben. Trotzdem finde ich es auch toll, dass die blühende Heide noch so viele Menschen anlockt. Die Faustformel für die Blütezeit ist vom 8.8. bis zum 9.9., aber ob das so stimmt, weiß ich nicht.
Die Westruper Heide ist das größte „Zwergstrauchheidegebiet“ Westfalens. Lasst euch von den Fotos nicht täuschen. Es herrscht strenger Leinenzwang und auch an diesem Tag war wieder ein „Ranger“ unterwegs, der das kontrollierte. Gubaccas Schleppleine habe ich auf den Bildern einfach weggestempelt.
Ich gehe aber trotzdem sehr gerne in der Heide spazieren und muss dabei auch öfter an meinen Hund Benji denken. Als Benji älter wurde und nicht mehr so gerne lief, war die Heide immer unser „Gesundheitsbarometer“. Einfach lustlos oder krank? Immer wenn wir uns da unsicher waren, packten wir ihn ins Auto und fuhren mit ihm nach Haltern. Rannte er dort wieder begeistert durch die Sandwege, war alles im grünen Bereich. Er hat die Heide von allen meinen Hunden bisher am meisten geliebt.
90 Grad waren der Plan
Irgendwann wurde mir der ganze Trubel am Sonntag dann aber doch zu viel und ich kam auf die zweite glorreiche Idee des Tages. Ich wählte für den Rückweg den ruhigen Pfad durch das danebenliegende Waldgebiet.
Für mich war es total logisch, dass ich nach dem vermeintlichen Abbiegen im 90-Grad-Winkel parallel zur Hauptstraße laufen würde. Aber es waren wohl keine 90, sondern 110 Grad, die dafür sorgten, dass ich mich immer weiter von meinem Ziel entfernte.
Nach einer Stunde musste ich mir dann selbst eingestehen, ich hatte mich restlos verlaufen. Zu meinem Glück traf ich dann aber eine Wandergruppe, die mir den richtigen Weg erklären konnte.
Ohne sie würde ich vielleicht noch heute einsam durch den Wald irren. Nein, so schlimm wäre es nicht geworden. Aber ich wäre weit entfernt von meinem Parkplatz, schon fast im Nachbarort gelandet.
Eigentlich hatten Claudia und ich letzte Woche schon geplant, heute in die Heide zu fahren. Nach meinem „Cranger-Kirmes“-Sonntag werden wir uns das aber ersparen und wir gehen lieber auf der Halde Hoheward spazieren.
Endlich gibt es dann auch mal wieder Bilder von Gubacca und mir, wenn uns das Wetter nicht im Stich lässt. Drückt mal die Daumen!
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