Plötzlich redet jeder über Corona
An dem Thema „Coronavirus“ kommt momentan, glaube ich, niemand vorbei und die Angst ist, wenn man den Medien glauben darf, gegenwärtig. So wurde die große Reisemesse ITB abgesagt und es kommt immer mehr zu Hamsterkäufen in den Geschäften.
In meinem Freundes- und Bekanntenkreis wird das Thema eher belächelt. Die Meinungen reichen dabei von „Das ist doch alles nur Panikmache“ bis zu „Sooo schlimm wird der Virus schon nicht sein.“ Ich bin zwiegespalten bei dem Thema.
Da das Virus gerade für ältere Menschen gefährlich sein soll, mache ich mir schon auch Sorgen um meine Eltern. Zum Glück soll „Corona“ nicht auf Haustiere übertragbar sein. Darüber bin ich sehr erleichtert! Wer weiß, welche behördlichen Maßnahmen es gegeben hätte, falls das nicht so gewesen wäre.
Obwohl ich mich bemühe, mich von den zahlreichen Berichten nicht verunsichern zu lassen, merke ich trotzdem, dass sich mein Freizeit-Verhalten ändert. Gestern verzichtete ich zum Beispiel lieber auf einen Stadtbummel durch die belebte Innenstadt und eine Großveranstaltung würde ich momentan ehrlich gesagt nicht besuchen.
Und ja - ich muss mich outen: Es gab auch bei uns die ersten Hamstereinkäufe!
Anstatt wie gewohnt einen Karton mit Gubaccas Futter zu kaufen, landeten drei davon im Einkaufswagen und auch die anderen Vorräte für ihn wurden großzügig aufgefüllt. Wenn jemand schon mal nicht verhungern kann, dann ist es in den kommenden Wochen Gubacca!
Auch Mini-Rütter sorgte vor und es stapeln sich jetzt mehrere Packungen mit Knabbergepäck bei uns im Schrank. Sollte nicht Corona uns ereilen, sondern ein gemeiner Darmvirus: Wir sind vorbereitet!
Beim Thema „Toilettenpapier“ herrschte dann sofort große Einigkeit - da reichte nicht nur eine XXL-Packung, sondern es musste stärker aufgerüstet werden. Was wurde in China zuerst knapp? Richtig! Toilettenpapier!
Wer wäre im Notfall für Gubacca da?
Gestern Abend hatten wir es uns gerade mit unseren Knabbervorräten vor dem Fernseher gemütlich gemacht, als über die Lage in Heinsberg berichtet wurde. Zahlreiche Einwohner dürfen dort ihr Zuhause nicht verlassen und werden von Freunden und Familie versorgt.
„Was machen wir mit Gubacca, wenn bei uns in Polsum so etwas passieren würde?“, fragte mich Mini-Rütter plötzlich. „Gubacca macht ja nicht in den Garten...“
„Ach, das ist kein Problem“, antwortete ich, ohne groß darüber nachzudenken, „da kann er bestimmt zu einer meiner Freundinnen oder Bekannten.“
„Bist du da sicher?“, fragte mich Mini-Rütter.
Ja, konnte ich mir da sicher sein?!
Meine Familie scheidet schon einmal aus. Meine Schwester ist berufstätig und lebt in Kassel und meine Eltern wären mehrere Tage mit Gubacca überfordert. Calitos Frauchen hatte mir mal gesagt, dass Gubacca bei ihr ein Zuhause finden würde, wenn Mini-Rütter und ich verunglücken würden oder etwas Schlimmes passiert.
Aber 800 Kilometer sind nicht gerade um die Ecke, wenn es um die Überbrückung einiger Tage geht. Plötzlich wurde mir flau im Magen - wer wäre in der Not für Gubacca da?
Ich habe im Freundes- und Bekanntenkreis nachgefragt... Sie waren ehrlich, das finde ich wichtig, und es hat auch nicht jeder von ihnen die Möglichkeit, mal eben noch einen Hund zu nehmen...
Riesig gefreut habe ich mich über die Reaktion meiner Freundin Claudi:
Ein schönes Gefühl und Claudi und ich wissen jetzt beide, wenn es mal ganz schnell gehen muss - unsere Hunde haben bei uns beiden immer einen Platz! Und das unabhängig von einem Coronavirus!
Aber jetzt hoffen wir erst einmal, dass alles wirklich nur halb so schlimm wird und weder Claudi noch ich unser Versprechen einlösen müssen...
Das Toilettenpapier war das kleinste Problem
Als ich diesen Beitrag schrieb, war Corona noch etwas, das langsam näher rückte. Ich machte mir Sorgen um meine Eltern, verzichtete vorsichtshalber auf einen Stadtbummel – und sorgte mit ziemlich großzügigen Vorräten dafür, dass zumindest Gubacca und unser Toilettenpapierbestand für die kommenden Wochen bestens gerüstet waren.
Was ich damals nicht ahnte: Wenige Tage später würde sich unser Alltag grundlegend verändern. Freunde treffen, gemeinsam spazieren gehen, Mantrailing, die Termine mit Gabi – vieles von dem, was gerade ganz selbstverständlich zu unserem Leben gehörte, fiel plötzlich weg.
Und damit veränderte sich auch Gubaccas Welt. Es fehlten nicht nur Trainingstermine. Es fehlten Begegnungen, gemeinsame Unternehmungen und viele der kleinen Sozialkontakte, die bis dahin selbstverständlich gewesen waren. Gerade in einer Zeit, in der ich noch immer versuchte, ihm mehr Sicherheit in unterschiedlichen Situationen zu geben, wurde unsere Welt auf einmal sehr viel kleiner.
Wie lange das dauern würde und welche Spuren diese Zeit auch bei uns hinterlassen würde, konnte ich an diesem Abend noch nicht wissen. Damals saßen wir mit unseren Knabbervorräten vor dem Fernseher und hofften einfach, dass alles nur halb so schlimm werden würde.
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