Kennt ihr das auch? Ihr werdet nicht erkannt, sobald ihr ohne euren Hund unterwegs seid? Mir passierte das vor Kurzem wieder einmal im Wartezimmer meines Hausarztes. Ein älterer Herr fragte mich, woher er mich kennen würde. Mein Gesicht würde ihm so bekannt vorkommen, aber er könnte mich einfach nicht zuordnen.
Das Rätsel konnte ich schnell für ihn lösen. Ich sagte ihm, dass er mir mit meinem Hund häufig beim Spazierengehen im Feld begegnen würde. Da fiel auch bei ihm der Groschen! „Stimmt“, sagte der Herr zu mir, „Sie haben immer so einen wuscheligen Hund dabei!“ Da stellt sich doch die Frage: Bin ich neben meinem Hund für viele meiner Mitmenschen unsichtbar?! Es heißt doch immer, ein Hund wäre der Flirtfaktor Nr. 1?! Seltsam...
Mein Name? Offenbar optional.
Aber nicht nur, dass ich neben meinem Hund unsichtbar bin: Ich besitze auch keinen eigenen Namen mehr! Ich bin das Frauchen von Gubacca oder dem wuscheligen Hund. Witzigerweise wurde ich auch schon mal als die Frau mit der bunten Umhängetasche bezeichnet, die diesen spanischen Hütehund hat.
Klar: Leckerlies, Spielzeug für unterwegs, Beutelbehälter, kleine Schere für den Notfall, wenn Gubaccas Fell mal wieder in den Dornen hängen bleibt und noch einiges mehr wollen untergebracht werden!
Fairerweise muss ich aber auch zugeben, dass ich da nicht anders bin. Von 95 % der Hunde, die uns bei unseren Spaziergängen regelmäßig begegnen, kenne ich die Namen. Von dem Besitzer? Fehlanzeige!
Alleine unterwegs – sofort verdächtig
Dass ich auch ein (seltenes) „Eigenleben“ ohne Hund habe, irritiert viele meiner Mitmenschen. Häufig werde ich beim Einkauf im Lebensmittelladen um die Ecke gefragt: „Heute nicht mit Hund unterwegs?“... Dabei hat sich doch bestimmt auch unter Nicht-Hundebesitzern herumgesprochen, dass Tiere in Supermärkten verboten sind.
Aber ich darf mich ja eigentlich gar nicht beschweren! In meiner WhatsApp-Übersicht gibt es zahlreiche Einträge wie „Moya & Simone“. Aber auch ein Eintrag wie „Max' Frauchen“ steht da - ich kenne ehrlich gesagt noch nicht einmal den Vornamen von „Max' Frauchen“...
In diesem Sinne wünscht euch das Frauchen von Gubacca einen schönen Sonntag!
Tatsächlich zeigen Untersuchungen, dass Menschen mit Hund häufiger mit anderen Menschen ins Gespräch kommen - besonders mit Fremden. Der Hund kann also ziemlich effektiv dafür sorgen, dass sein Mensch überhaupt erst auffällt.
Besonders schön passt eine soziologische Beobachtung aus einem Hundepark: Dort kannten Menschen den Namen des Hundes mindestens ebenso selbstverständlich wie den Namen des dazugehörigen Menschen. Wer häufiger kam, lernte irgendwann auch die menschlichen Namen.
Auch dafür gibt es zumindest eine passende Erklärung. Selbst bekannte Gesichter werden erstaunlich schlecht erkannt, wenn sie plötzlich in einem völlig unerwarteten Zusammenhang auftauchen. In einem Experiment erkannten viele Studierende zunächst sogar ihre eigene Dozentin nicht, als sie unerwartet in einem anderen Kontext erschien.
In einem Feldexperiment bekam ein junger Mann deutlich häufiger die Telefonnummer angesprochener junger Frauen, wenn er einen Hund dabeihatte. Das macht den Hund natürlich noch lange nicht wissenschaftlich zum „Flirtfaktor Nr. 1“. Aber ganz aus der Luft gegriffen war mein Gedanke offenbar auch nicht.
Quellen: McNicholas & Collis (2000), British Journal of Psychology · Guéguen & Ciccotti (2008), Anthrozoös · Jackson (2012), Society & Animals · Laurence, Eyre & Strathie (2021), Perception
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