Mensch & Gos – ein Team mit eigener Sprache
Zwei Köpfe, ein gemeinsamer Weg
Mit einem Gos zusammenzuleben bedeutet nicht, jede Entscheidung gemeinsam auszudiskutieren. Aber bei einem Hund, der aufmerksam beobachtet und eigene Entscheidungen mitbringt, wird ziemlich schnell deutlich, wie wichtig verständliche Kommunikation ist.
Bei Gubacca habe ich das nicht sofort begriffen. Lange dachte ich vor allem darüber nach, was er lernen musste. Sitz. Bleib. Rückruf. Leinenführigkeit. Und natürlich möglichst zuverlässig das, was Bine gerade meinte – selbst wenn Bine es vorsichtshalber dreimal, in unterschiedlichen Varianten und mit zunehmender Lautstärke erklärt hatte.
Gubacca fand diese Form der Informationsvermittlung offenbar ausbaufähig.
Hunde achten ohnehin auf Körpersprache, Stimme, Bewegungen, Timing und vertraute Abläufe. Bei einem aufmerksamen Hund fällt deshalb besonders auf, wenn diese Informationen nicht recht zusammenpassen.
Bei uns waren es irgendwann ganz banale Dinge: Mehrfachkommandos, Wörter, die je nach Situation alles Mögliche bedeuteten, oder Erwartungen, von denen nur ich wusste, dass sie gerade galten.
Gubacca musste nicht lernen, meine Gedanken zu lesen. Ich musste lernen, verständlicher zu werden.
Das klingt rückblickend erstaunlich logisch. Im Alltag war es trotzdem ein Lernprozess. Denn klare Kommunikation bedeutet nicht nur, ein Kommando möglichst korrekt auszusprechen. Es bedeutet auch, sich darüber Gedanken zu machen, was der Hund überhaupt verstanden hat, was in der Situation möglich ist und ob die eigene Erwartung gerade eindeutig genug ist.
Und manchmal bedeutet es schlicht festzustellen: Der Hund verweigert nicht. Der Hund hat eine andere Ausgabe der Tagesordnung bekommen.
Zur Zusammenarbeit gehört allerdings noch etwas anderes: Nicht nur der Hund soll lernen, den Menschen zu verstehen. Auch der Mensch muss lernen, seinen Hund besser zu lesen.
Wann hat Gubacca etwas wirklich verstanden? Wann braucht er noch Zeit? Wann ist eine Situation gerade zu viel – und wann findet er meine Idee schlicht weniger überzeugend als ich?
Das heißt nicht, dass am Ende immer der Hund entscheidet. Es verändert aber die Frage. Statt nur darüber nachzudenken, wie ich ein Verhalten durchsetze, schaue ich heute viel häufiger darauf, warum die Kommunikation gerade nicht funktioniert.
Gerade das macht für mich aus bloßem Training irgendwann echtes Zusammenleben. Der Blick richtet sich nicht mehr nur darauf, ob etwas funktioniert, sondern auch darauf, wie Mensch und Hund überhaupt an diesen Punkt kommen.
Vertrauen entsteht für mich nicht daraus, dass immer alles funktioniert. Es wächst eher aus vielen kleinen Erfahrungen: Wir finden gemeinsam einen Weg durch eine schwierige Situation. Ich nehme ernst, wenn Gubacca etwas noch nicht kann. Er macht gleichzeitig die Erfahrung, dass er sich auf meine Entscheidungen verlassen kann.
Dabei muss niemand perfekt sein.
Gerade im Zusammenleben mit Gubacca habe ich oft genug falsch eingeschätzt, zu früh erwartet, zu viel gemacht oder die falsche Idee für ausgesprochen brillant gehalten. Entscheidend war nicht, solche Fehler irgendwann vollständig abzustellen. Entscheidend war, sie schneller zu erkennen und daraus etwas zu verändern.
Zusammenarbeit entsteht nicht dadurch, dass einer immer recht hat. Sondern dadurch, dass beide einander zunehmend besser verstehen.
Heute fühlt sich vieles mit Gubacca selbstverständlich an, worüber ich früher lange nachdenken musste. Nicht weil wir irgendwann eine perfekte gemeinsame Sprache gefunden hätten. Sondern weil wir uns über Jahre gegenseitig kennengelernt haben.
Ich weiß besser, wann er Zeit braucht, wann eine klare Ansage hilfreich ist und wann ich eine meiner großartigen Ideen lieber noch einmal überprüfen sollte. Und Gubacca kennt meine Abläufe, meine Signale und vermutlich längst auch einen beträchtlichen Teil meiner vorhersehbaren Macken.
Genau darin liegt für mich inzwischen die besondere Seite von Mensch und Gos: nicht in geheimnisvoller Gedankenübertragung, sondern in etwas viel Unspektakulärerem – gemeinsamer Erfahrung.
Aus „Ich erziehe meinen Hund“ wurde mit der Zeit immer öfter: Wir verstehen uns.
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