Irgendwann schlägt das Alter gnadenlos zu und man greift auf Hilfsmittel zurück, die man früher für komplett überflüssig gehalten hätte. Eine Hunderampe fürs Auto zum Beispiel. Und nein, ich spreche an dieser Stelle nicht über Gubaccas Alter. Ich spreche über meins. Beziehungsweise über die kleinen, ausgesprochen uncharmanten Wehwehchen, die einem irgendwann ziemlich deutlich zeigen, dass man vielleicht doch nicht auf Dauer so tun kann, als wären 23 Kilo Hund einfach nur ein etwas unhandliches Handgepäckstück.
Jeder, der mich kennt, weiß: Mein eigenes Wohlbefinden hat eine klare Grenze. Und die heißt Gubacca. Es wäre für mich völlig undenkbar, ihn aus dem hohen Kofferraum meines Autos einfach rein- oder rausspringen zu lassen. Also bekam der Herr bisher seinen ganz persönlichen Hebeservice. Rein ins Auto, raus aus dem Auto, rundum versorgt. Erschwerend kommt hierbei noch hinzu, dass Gubacca grundsätzlich nicht direkt bis ans Auto läuft, sondern gern schon ein paar Meter vorher stehen bleibt und darauf wartet, dass sein Personal den Rest erledigt.
Mein lieber Göttergatte konnte darüber lange nur mit den Ohren schlackern. Spätestens als sich meine Rückenschmerzen allerdings in einen gefühlten Dauer-Hexenschuss verwandelten, war bei ihm Schluss mit Lustig. Wenn er dabei war, übernahm er den Hebeservice. Und plötzlich war ich diejenige, die mit den Ohren schlackerte. Ich hatte über die Jahre nämlich einen ziemlich guten Griff entwickelt, mit dem Gubacca halbwegs elegant im Kofferraum landete. Bei ihm sah das Ganze eher aus, als müsste ein überlanges Paket eingeladen werden, das an den Hinterbeinen auch noch ein gewisses Eigenleben hatte.
„Wir müssen eine Rampe kaufen“, lag er mir irgendwann in den Ohren. Meine Begeisterung hielt sich ehrlich gesagt in Grenzen. Ich musste sofort an unsere erste Hunderampe denken, die ziemlich schnell wieder bei Kleinanzeigen landete. Ein unpraktisches Kunststoffteil, das sich nur mühsam auseinanderschieben ließ. Gefühlt stand man damit zehn Minuten am Straßenrand, bis das Ding endlich einsatzbereit war. Da hob ich Gubacca oft lieber doch schnell selbst. Jedenfalls solange mein Rücken da noch mitgespielt hat.
Dann kam irgendwann Tag X. Ich stand da, mein Rücken sagte sehr deutlich nein, und damit war klar: Die Sache mit der Hunderampe war nicht länger irgendein überflüssiges Zubehör. Es wurde Zeit.
Die Detektivarbeit am Straßenrand
Also begann ich bei Spaziergängen, gezielt auf die Hunderampen anderer Leute zu achten. Und siehe da: Es gab tatsächlich Modelle, die sich mit einem Handgriff auseinanderziehen ließen und sofort einsatzbereit waren. Ohne Gefummel, ohne langes Herumhantieren und ohne dieses unnötige Theater am Straßenrand, das ich von unserer ersten Rampe noch sehr gut in Erinnerung hatte.
Theoretisch hätte ich also einfach nur noch zu einem der anderen Hundehalter hingehen und fragen müssen, welches Modell das ist. Theoretisch. Praktischerweise waren das gefühlt aber immer Menschen mit sehr großen Rüden am anderen Ende der Leine. Und auch wenn ich im Kopf schon freundlich „Entschuldigung, darf ich mal Ihre Rampe angucken?“ formuliert hatte, blieb es dann in der Realität doch lieber beim freundlichen Nicken aus sicherer Entfernung.
Schlauer war ich danach allerdings nur bedingt. Ich wusste jetzt zwar, dass es offenbar auch Rampen gibt, die sich schnell und ohne Gefummel aufbauen lassen. Welche davon für uns die richtige wäre, wusste ich damit aber noch lange nicht.
Meine Besuche im örtlichen Handel waren anschließend ebenfalls eher ernüchternd. Viel Auswahl gab es nicht, und das, was da war, erinnerte mich verdächtig an unseren ersten Fehlkauf. Im Internet einfach irgendeine Rampe zu bestellen, ohne sie vorher gesehen zu haben, fand ich auch nicht gerade verlockend. Also habe ich das Thema, sehr typisch für mich, erst einmal wieder zur Seite geschoben. Bis die Hartnäckigkeit meines Göttergatten stärker war als mein Talent zum Aufschieben. Also wurden YouTube-Videos geschaut, Modelle verglichen und schließlich ein Favorit gefunden. Dass diese Modelle preislich knapp 200 Euro kosten, war erst mal ein kleiner Schock. Aber nach meinem ersten Fehlkauf war mir auch klar: Wer billig kauft, hebt am Ende doch wieder selbst.
Nach langem Hin und Her wurden die Preis-Bedenken schließlich ignoriert und das edle Teil bestellt. Als das Paket ankam, war die erste Erleichterung groß: Die Rampe passt bei mir hochkant neben Gubaccas Box in den Kofferraum. Das war mir wichtig, weil eine Rampe nichts bringt, wenn man im Auto jedes Mal erst eine halbe Umräumaktion starten muss.
Dafür wurde beim ersten Anheben schnell klar: Ein Leichtgewicht ist so eine stabile Rampe nicht gerade. Wenn man sie in der Hand hält, spürt man das Material deutlich. Aber gut, ich will damit ja keine Wandertouren machen, sondern sie nur die zwei Meter vom Kofferraum auf den Asphalt befördern.
Dass sie stabil aufliegt und die lackierte Stoßstange nicht beschädigt, da war ich zuerst skeptisch und anfangs kurz davor, vorsichtshalber noch etwas darunterzulegen. Aber mein Mann warf beim ersten Test einen prüfenden Blick darauf und stellte fest: Da zerkratzt nichts. Was ich außerdem wirklich angenehm finde: Die Rampe ist leise. Wenn Gubacca hoch- oder runterläuft, scheppert nichts. Nur im Auto sollte man sie nicht lose neben die Box stellen, sonst wird es während der Fahrt laut. Das werden wir noch mit einem Gurt lösen.
Gubacca auf dem Catwalk
Und dann kam der große Augenblick. Zu meiner Überraschung hat Gubacca die Rampe erstaunlich schnell angenommen. Ehrlich gesagt musste ich sofort an einen Catwalk denken. Er läuft darüber nicht wie ein Hund, der eine Einstiegshilfe benutzt. Er schwebt eher mit einer Eleganz darüber, als hätte man ihm endlich den Aufgang gebaut, der seiner Würde entspricht.
Unser erster Testversuch mit Gubacca auf der Rampe war allerdings ein Paradebeispiel dafür, wie man es besser nicht machen sollte. Der selbsternannte Hundetrainer stand seitlich am Kofferraum neben der Rampe und zeigte mit dem Finger begeistert auf den oberen Teil, während ich natürlich längst damit beschäftigt war, den zu erwartenden Erfolg filmisch festzuhalten. Das Ergebnis war aus Hundesicht nur konsequent: Gubacca sprang seitlich auf die Rampe auf und lief dann immerhin noch die zweite Hälfte. Spätestens da wurde ziemlich deutlich, wie missverständlich wir ihm das Ganze präsentiert hatten.
Beim nächsten Versuch haben wir es für ihn einfacher gemacht: Gubacca stand gerade vor der Rampe, und wir haben ihn mit einem Leckerchen ruhig nach vorne geführt. Kein Locken von der Seite, sondern einfach ein gerader Weg. Seitdem klappt es problemlos. Aus der Anschaffung, die ich erst ewig vor mir hergeschoben habe, ist damit ausgerechnet etwas geworden, das ich im Alltag wirklich nicht mehr missen möchte.
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Die Länge muss zum Auto passen.
Je höher der Kofferraum, desto wichtiger ist eine ausreichend lange Rampe. Sonst wird der Winkel schnell zu steil.
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Stabilität ist wichtiger als ein paar gesparte Gramm.
Eine Rampe darf gern handlich sein. Wenn sie unter dem Hund aber wackelt oder unsicher aufliegt, bringt das alles nichts.
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Die Lauffläche sollte rutschfest sein.
Der Hund muss Halt finden, auch wenn er anfangs noch vorsichtig ist.
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Auch die Breite spielt eine Rolle.
Zu schmale Rampen wirken auf viele Hunde unsicher. Etwas mehr Platz unter den Pfoten macht oft schon viel aus.
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Die Handhabung entscheidet über den Alltag.
Lässt sich die Rampe schnell aufbauen oder fängt das Gefummel schon beim Ausziehen an? Was nervt, wird irgendwann zu selten benutzt.
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Vorher ehrlich nachmessen.
Passt die Rampe überhaupt noch mit Box, Decke und dem restlichen Hundekrempel in den Kofferraum?
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Auch die Auflage am Auto ist nicht egal.
Gerade bei lackierten Stoßstangen lohnt sich ein Blick darauf, wie die Rampe aufliegt und ob sie sauber verarbeitet ist.
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Und dann: kurz üben.
Selbst die beste Rampe erklärt sich dem Hund nicht von allein. Gerade davorstellen, ruhig führen, verständlich zeigen. Das reicht oft schon.
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