St. Peter-Ording
Ein erster Urlaubstag, ohne das Meer gesehen zu haben - das passiert mir nur selten! Von daher machte ich mich am nächsten Morgen natürlich sofort in aller Herrgottsfrühe mit Gubacca auf die "Suche nach dem Meer". Vom Deich aus führte dann auch direkt ein Fußweg schnurgerade durch die Salzwiesen bis zum Böhler Strand. Ein bisschen erinnerte mich das Ganze an einen "Catwalk" und so tänzelten wir dann auch schon fast dem vermeintlichen Meer entgegen.
Insgeheim hatte ich trotz "Leinenzwang" kurz damit geliebäugelt, Gubacca frei laufen zu lassen. Aber ihr kennt ja "Murphys Gesetz": Weit und breit keine "Menschenseele" unterwegs - außer ein kleines Stück hinter uns zwei Frauen mit großem Hund. Eine Sache, die Gubacca normalerweise überhaupt nicht ausstehen kann: ein fremder Hund im Nacken. Aber diesmal siegte die Neugier auf die neue Umgebung bei ihm und er marschierte im flotten Tempo vorschriftsmäßig angeleint vor mir her.
Das Meer haben wir nicht "gefunden" - große Pfützen waren das einzige Wasser, das zu sehen war. Aber die Pfahlbauten, für die St. Peter-Ording so berühmt ist, konnten wir bewundern. Böhl hat wie alle Ortsteile auch ein Strandlokal, wobei "unser" Salt & Silver schon in die Winterpause gegangen war. Mit den anderen Plattformen auf Stelzen konnte ich zuerst überhaupt nichts anfangen - aber dann fiel auch bei mir der Groschen: Im Sommer standen dort die Strandkörbe in luftiger Höhe.
So enttäuscht ich auch über das fehlende Wellenspiel und Meeresrauschen gewesen bin - Gubacca war total begeistert von den riesigen Seen, die sich überall gebildet hatten. Wie in seinen besten "Jungspundzeiten" flitzte er unermüdlich durch das Wasser. Mittlerweile hatten auch die beiden Frauen mit Hund die Sandbank erreicht und schnell kamen wir ins Gespräch. Die beiden hatten sich ihren Lebenstraum erfüllt und waren vor zwei Jahren von Kiel nach St. Peter-Ording gezogen. Mein Gesicht sprach bestimmt wieder "Bände". Wie konnte jemand von meiner geliebten Ostsee freiwillig an die Nordsee ziehen? Aber die beiden liebten die Stürme und das raue Klima hier. Was sie leider noch bestätigten: Auch außerhalb der Saison nimmt St. Peter-Ording es streng mit dem Leinenzwang und wenn man ohne erwischt wird, ist ein Bußgeld fällig. Von daher - Bildbearbeitung lässt grüßen, wenn ihr Gubacca auf den Bildern ohne Leine seht.
Gubacca hatte aber trotzdem riesigen Spaß - der Hund der zwei Frauen entpuppte sich als aufgeschlossene Hündin und "Prinz Charming" war in seinem Element. Mit einem sichtlich mit sich und der Welt zufriedenen Gubacca machte ich mich auf den Weg zurück zum Ferienhaus. Während er dann entspannt seinen "Morgenschlaf" hielt, frühstückte ich gemütlich. Der Blick dabei vom Esszimmertisch auf die umliegenden Wiesen und Felder war einfach herrlich. So fühlt sich Urlaub an!
Der Ortsteil Böhl
Gegen Mittag machten wir uns dann mit den Rädern und dem "Gubacca-Taxi" auf den Weg, St. Peter-Ording zu erkunden. Im Internet hatte ich vorab schon gelesen, dass es vier Stadtteile gibt, die sich alle sehr voneinander unterscheiden sollen. Momentan habe ich ja das Gefühl, dass der ruhige Ortsteil "Böhl" vielleicht doch nicht die beste Wahl für einen November-Urlaub gewesen ist - aber ich lasse mich mal überraschen!
Auf der Homepage von St. Peter-Ording wird der Ortsteil Böhl als der Ruhepol von SPO beschrieben. Der Stadtteil steht für Ruhe und Entspannung und soll mit seiner Naturvielfalt beeindrucken. Mein erster Gedanke war bei unserer Erkundungstour ehrlich gesagt: Hier wurden nach der Saison nicht nur die Bürgersteige hochgeklappt, sondern hier ist der "Hund begraben". Absolut "tote Hose"! Keine Geschäfte, keine Lokale, die geöffnet haben, kein richtiger Strand... Der vorwurfsvolle Blick, den mir mein Göttergatte zuwarf, sprach daher auch Bände für meine Urlaubswahl. Wir erinnern uns noch einmal: Diesen spektakulären Sommerurlaub in die Berge - in dem ein Highlight das nächste jagte - hatte er ausgesucht. Ich war für die Reiseplanung für den Nordsee-Urlaub zuständig gewesen.
Der erste Eindruck vom Strandübergang Böhl ist alles andere als schön. Wobei ich dabei auch fair bleiben möchte - das ist natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass man hier mit dem Auto bis fast zu den Pfahlbauten fahren und dort auch parken kann. Ich konnte zuerst überhaupt nichts mit dem Begriff "Strandüberfahrt" anfangen, bis ich dann die vielen Verkehrsschilder und die geteerte Straße zum Wasser sah. Muss so etwas sein? Mit dem Auto direkt ans Meer?! Wahrscheinlich ja, sonst gäbe es so etwas ja nicht. Dafür hat der Strandabschnitt aber auch eine bildschöne Bushaltestelle! Ich musste so lachen, als ich sie zum ersten Mal gesehen habe und habe mich nur gefragt: Was macht man hier, wenn die Flut kommt?! Aber der Gedanke, ein Busticket direkt zum Meer zu buchen, hat etwas Verlockendes, oder?
Die Frage war gar nicht so abwegig. Im Landesarchiv Baden-Württemberg findet sich eine Aufnahme aus dem Jahr 1970 vom Böhler Strand: Fotograf Willy Pragher hielt damals eine Hochflut fest, bei der der Strandparkplatz überschwemmt wurde und Autos im Wasser standen.
Direkt am Strand parken darf man in Böhl auch heute noch saisonal auf den dafür vorgesehenen Flächen. Und auch die Bushaltestelle ist kein Relikt aus vergangenen Zeiten: Der Ortsbus fährt den Böhler Strand weiterhin direkt an. Der etwas kuriose Verkehr mitten in dieser weiten Naturlandschaft gehört also tatsächlich zu SPO.
Nachdem ich euch jetzt ausführlich die "Schattenseiten" geschildert habe, kommen wir jetzt aber endlich auch zu den schönen Seiten von Böhl. Böhl hat zum Beispiel meiner Meinung nach den schönsten Deichbereich zum Laufen und beeindruckt wirklich mit seiner Naturvielfalt. Auf der einen Seite das kleine Naturschutzgebiet mit den Spazierwegen zum Böhler Leuchtturm, auf der anderen Seite das satte Grün Richtung Salzwiesen und dazu bei fast jedem Wetter ein tolles Wolkenspiel. Ab dem Ortsteil "Dorf" in Richtung "Ording" wird der Deich zur "Erlebnispromenade" - auch toll gemacht, aber bei schönem Wetter ziehen die Urlauber wie in einer riesigen Karawane den Deich entlang. Bis zu uns verirrte sich schon fast niemand mehr... Und obwohl das riesige Verbotsschild einem im ersten Moment suggeriert "Hier ist ja alles verboten", dürfen Hunde sogar in den Deichbereich mit den Schafen mitgenommen werden. Da war ich echt erstaunt und habe das ansonsten noch nirgendwo erlebt.
Der Böhler Leuchtturm
Sehr schön ist auch der Böhler Leuchtturm. Der kleine, aus Ziegeln erbaute Leuchtturm wurde 1892 erbaut und dient als Quermarken- und Orientierungsfeuer, um das Eiderfahrwasser zu markieren. Schade, dass man ihn nicht besichtigen kann - ich hätte zu gerne gesehen, wie er von innen aussieht. Wenn man Glück hat, kann man auf der gegenüberliegenden Salzwiese die Störche beobachten, die sich dort in einer großen Horde öfters niederlassen.
Auch von hier aus führt ein schnurgerader Weg durch die Salzwiesen zum Wasser. Bei trockenem Wetter bestimmt einfach toll und schön zu laufen. Momentan hält sich das Vergnügen allerdings ein bisschen in Grenzen. Durch den vielen Regen in der letzten Zeit sind große Teile des Weges überflutet und man versinkt ordentlich im Matsch. Mit einem Langhaarhund wie Gubacca nicht ganz so praktisch. Aber toll angelegt sind die Wege mit den vielen kleinen Brücken und den Holzstegen.
Das katalanische Stimmungsbarometer
Das absolute "Böhler-Highlight" ist jedoch das "Katalanische Stimmungsbarometer" im Schaufenster einer Vermietungsagentur. Bei unserem ersten Spaziergang lief ich ahnungslos mit Gubacca daran vorbei und hatte überhaupt nicht wahrgenommen, dass in dem Schaufenster zwei künstliche Schafe als Werbung für die Region standen. Mein hochintelligenter Hütehund fand allerdings, dass sie sehr lebensecht wirkten und machte seinen berühmt-berüchtigten "Bodycheck"-Sprung in Richtung Scheibe. Dabei nahm er so viel Schwung, als ob er einen 50-Kilo-Schafbock zur Räson bringen müsste. Zum Glück sah uns niemand und die Scheibe nahm auch keinen Schaden.
Jetzt sollte man ja meinen, dass so etwas ein einmaliger Ausrutscher von ihm war und der fremden Umgebung geschuldet war. Aber nein, je nach Stimmungs- und Gemütslage marschierte Gubacca bei den kommenden Spaziergängen entweder hoheitsvoll an den beiden Schafen vorbei - ganz nach dem Motto: Ich lasse mich doch nicht verkaspern - oder er blaffte die beiden mit hoch erhobener Rute an. So wusste ich doch bei jeder Runde schon zu Beginn, wie der Herr "drauf ist". Einfach herrlich und ich muss immer noch lachen, wenn ich an das künstliche Schafpaar denke. Ich hatte mir jedes Mal vorgenommen, davon ein Foto zu machen - aber ihr kennt das ja. Erst hat man ja noch so viel Zeit dafür und dann...
Damit ich aber meine anderen gefühlten 999 Fotos noch zeigen kann, schließt der Reisebericht hier an der Stelle und es geht im nächsten Beitrag mit den anderen Ortsteilen weiter.
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